Preisträger 2007
Kategorie "Umweltengagement":
Bürgerinitiative„Aktionsbündnis Bäume am Landwehrkanal“
Kreuzberger Bürgerinitiative rettet 150 Bäume am Landwehrkanal vor dem Abholzen
Ende Mai 2007 hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) öffentlich gemacht, dass am Landwehrkanal 200 Bäume gefällt werden müssten, da die Kanalbefestigungen marode seien und die Bäume eine Gefahr darstellten. Vor gut 150 Jahren angelegt, brachen plötzlich Teile der Uferwand ein.
Aufgrund dieser Ankündigungen haben sich in einer beispiellosen Initiative innerhalb weniger Tage mehr als 150 Kreuzberger Bürgerinnen und Bürger zum „Aktionsbündnis Bäume am Landwehrkanal“ zusammengeschlossen. Täglich trafen sich mehr Menschen auf der Admiralsbrücke, um sich der Initiative anzuschließen, Flugblätter zu verteilen, Aktionen zu planen und über weitere Vorgehensweisen zu diskutieren.
Die Bürgerinitiative befasste sich eingehend mit dem Hintergrund für die geplanten Baumfällungen und durchleuchtete Versäumnisse und Missstände bei den zuständigen Behörden. Durch ihren Einsatz konnte sie unmittelbar bevorstehende Fällungen verhindern indem sie aufzeigte, dass dafür gar keine Genehmigungen vorliegen und sogar differenzierte Gefahrenanalysen fehlten.
Dem Wasser- und Schifffahrtsamt wurde weiter vorgeworfen, erst die Kanalmauern verrotten zu lassen und auf Kosten des Altbaumbestandes die Fehler zu beheben. Die Tatsache, dass der Kanal marode ist, sei schon seit Jahrzehnten bekannt. Die Bürgerinitiative stellte die dringende Forderung, Baumfällungen zu vermeiden und nach technischen Alternativen bei der Kanalreparatur zu suchen. Die Medienresonanz war enorm, unzählige Artikel und Beiträge in Funk und Fernsehen berichteten über die Bürgerinitiative.
Der Druck auf das Wasser- und Schifffahrtsamt erhöhte sich zunehmend und ihre engagierte Aufklärungsarbeit der Bürgerinitiative führte dazu, dass sich auch Politiker einschalteten. Schließlich wurde festgelegt, dass bei jedem Baum, der gefällt werden soll, geprüft wird, ob durch alternative Maßnahmen die Fällung verhindert werden kann.
Öffentliche Informationsveranstaltungen fanden statt und Expertenrunden tagten. Letztlich wurden insgesamt 38 Bäume gefällt, 19 Bäume mit (zweifelhaften) Betonklötzen vor dem Absacken gesichert.
Aus der Sicht der Bürgerinitiative hätten deutlich weniger Bäume abgeholzt werden dürfen. Besonders problematisch war, dass das WSA Fällungen durchgeführt hat, während es gerade den Baumschützern über diese Fällungen "verhandelt" hat.
Dennoch, am Ende stehen mehr als 150 Bäume am Landwehrkanal, die durch das beispiellose Engagement der Bürgerinitiative gerettet werden konnten!!!
Aber eigentlich geht es laut BI jetzt erst richtig los: Der Kanal soll jetzt grundlegend saniert werden, wobei wiederum hunderte Bäume gefällt werden könnten.
Jurybegründung
Der BUND zeichnet die Bürgerinitiative „Aktionsbündnis Bäume am Landwehrkanal“ mit dem Berliner Umweltpreis 2007 der Kategorie „Umweltengagement“ aus, da Dank ihres großen Engagements, mehr als 150 Bäume am Landwehrkanal gerettet werden konnten. Die Gegenwehr und die Entschlossenheit, die sie dabei zeigte haben sehr beeindruckt. Des Weiteren hat die Initiative es geschafft, dass ihre Arbeit eine enorme Medienresonanz erfahren hat und „Bäume und Flussausbau“ zu einem öffentlichen Thema wurde. Insgesamt konnte die Bürgerinitiative über 24.000 Unterschriften sammeln (Stand09.07) und eine breite Öffentlichkeit mobilisieren.
Die neuen Medien wurden eindrucksvoll genutzt, um die Kräfte von protestierenden Bürgern zu bündeln und eine gut funktionierende Organisation aufzubauen. (Heute haben sie 2000 Personen im E-Mail-Verteiler und 200 in der Telefonkette.) Die Baumschützer haben gezeigt, dass sich bürgerliches Umweltengagement lohnt und machen anderen Initiativen Mut, für ihre Ziele zu kämpfen.
Bürgerinitiative „Aktionsbündnis Bäume am Landwehrkanal“
Ansprechpartner: Wiebke Enwaldt
Tel: (030) 69 507 445
mobil: 0178 – 34 26 825
Dipl. Ing. Oliver Ginsberg
Tel: (030) 614 02 172
www.baeume-am-landwehrkanal.de
